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Schnell und sicher fahren
Wer noch nie Kart gefahren ist, und nicht unbedingt absoluter Formel Eins Fan ist, der fragt sich vielleicht, was das soll: Man fährt mit einem knatternden ungemütlichen Rohrgestell immer die gleichen Runden über einen abgesteckten Parcours. Man wird schmutzig und auch schon mal nass.
Langweilig?
Nein, denn das, was einem in einem Kart passiert, ist Spaß und Herausforderung, die grundsätzlich immer zu schnell zu Ende ist. Egal, wie lange man fährt. Denn Kartfahren ist die reinste Form des Fahrens. Keine Federung, keinerlei Hilfen, direkter Bodenkontakt, keine Kompromisse.
Zum Kartfahren gehören neben etwas Konzentration und Mut auch eine Menge Kondition und etwas Kraft. Besonders auf unserer Außenbahn, bei der man speziell in der 18-PS Klasse bis zu 80km/h erreicht, die einem ungeübten Fahrer schon mal wie 250km/h in einem Pkw vorkommen können. Erfahrene Motorsportler wissen, dass ich hier nicht übertreibe.
Wie fährt man nun schnell mit einem solchen Rohrgestell?
Wenn man ein paar einfache Grundregeln beachtet, kann man bereits mit etwas üben recht zügig und vor allem ohne diese nervigen Dreher einigermaßen gute Zeiten fahren. Ich versuche mal, diese Grundregeln zu umschreiben (Bitte bedenkt, dass wir keine Tachos an den Karts haben und die Werte nur gefühlte Geschwindigkeiten sind):
Man sollte beachten, dass ein Kart immer dann am schnellsten ist, wenn es geradeaus fährt. Wieso? Guckt man genau hin, dann sieht man, dass die Hinterachse bei einem Kart starr ist, das heißt, dass sich beide Räder nur gleich schnell drehen können. Fährt man nun um eine Kurve und alle Räder sind auf dem Boden, dann wird das äußere Rad vom inneren gebremst. Und bremsen wollen wir ja nicht. Jetzt noch nicht. Also: Das Kart nach Möglichkeit laufen lassen. Einen Zielpunkt am Ende einer Geraden anvisieren, früh darauf hinlenken und dann geradeaus fahren. Super. Jetzt kommt aber eine Kurve - und nun? Fahrt die Kurve von außen an, bremst (jetzt also doch) solange das Kart noch gerade ist. Dann lenkt ein (nur einmal) und geht direkt wieder auf das Gas. Wenn ihr jetzt im Kurvenausgang ein Problem habt, auf der Strecke zu bleiben, dann habt ihr nicht genug gebremst. Denn der Spruch "Wer bremst, verliert" ist eigentlich völlig falsch. Es gibt immer wieder supertolle Superschumis, die kommen von der Strecke und sagen "Hey, ich war toll - ich brauchte gar nicht zu bremsen!" Die haben leider was falsch gemacht. Denn hartes, sauberes Bremsen sorgt dafür, dass man länger schneller fahren kann. Hä? Was meint denn der jetzt schon wieder? Ganz einfach. Ihr fahrt mit z. B. 80km/h auf eine Kurve zu. Der eine nimmt nur Gas weg und bremst nicht, fährt also 80, 70, 60, 50, 40, 30 - rein in die Kurve. Der andere bremst hart und sauber (ich meine gerade). Der fährt also 80, 80, 80, 80, 60, 30 - rein in die Kurve. Jetzt könnt ihr ja mal zusammenrechnen, wer auf demselben Stück Strecke schneller ist. Bis dahin logisch, oder? Also sind wir nun in der Kurve. Mit nur 30km/h! Fühlt sich total langsam an. Kann sein. Aber wichtig ist in erster Linie, dass ihr früh auf dem Gaspedal seid. Wie ja bereits beschrieben am Besten noch vor der Kurve - oder um es genau zu sagen: Vor dem Kurvenscheitelpunkt. Scheitel? Friseur? Nein. Der Kurvenscheitelpunkt ist der Mittelpunkt der Kurve. Den brauchen wir gleich auch noch. Also zurück in unsere Kurve: Wenn ihr richtig gebremst habt, und es geschafft habt, noch vor dem Scheitelpunkt voll auf dem Gas zu sein, und es jetzt auch noch so aussieht, dass ihr am Ende der Kurve zwar auf der äußeren Seite der Strecke, aber nicht auf der Wiese seid, dann war das schon gut. Das Ganze lief dann bisher recht unspektakulär ab. Kein Drift, kein Querstehen, kein wildes Gepflüge durch Nachbars Acker, sondern einfach nur Ranfahren, Bremsen, Bremse lösen, Einlenken, Gasgeben, Lenkung öffnen, fertig. Am Anfang der Kurve außen, am Ende der Kurve außen. Klingt gut, oder? Fehlt nur noch eins: Wann darf ich denn mal innen fahren? Na klar, am Scheitelpunkt der Kurve. Wo ist denn der? Um das festzustellen, müsst ihr auf die richtige Blickführung achten. Guckt immer da hin, wo ihr hinfahren wollt. Und auf keinen Fall guckt dahin, wo ihr nicht hinfahren wollt. Das ist einer der wichtigsten Punkte. Sehr schnell werdet ihr dann feststellen, dass ihr automatisch den Kurvenmittelpunkt - oder auch Scheitelpunkt - anfahrt und die Kurve damit "rund" wird. Seht euch ruhig mal das Video an. Der Fahrer hat die Kamera an seinem Kopf festgeschraubt (ja, mit ganz langen Schrauben) und ihr könnt erkennen, dass er immer bereits vor der Kurve ein wenig nach innen sieht. Er fixiert die Stellen auf der Strecke, über die er fahren möchte. Das ist seine Zielsetzung, jeweils von Kurve zu Kurve. So lernt man die Strecke kennen und kann sich von Runde zu Runde verbessern und damit schneller werden. Ach so. Na klar, habe ich vergessen: Wenn jetzt zwei Kurven aufeinander folgen, ohne dass eine mörderlange Gerade dazwischen ist, dann müsst ihr doch ein paar Kompromisse eingehen und versuchen aus den zwei Kurven möglichst einen flüssigen Übergang zu schaffen. Seht euch am Besten auch noch die unten stehenden Grafiken an, dann wird einiges deutlich. Na also. Fassen wir noch mal mein ganzes Geschwafel zusammen auf ein paar Stichworte:




Jetzt haben wir es also. Hört sich natürlich wieder an, wie das Gequatsche eines ADAC-Funktionärs im grauen Anzug, soll aber keine Vorschrift, sondern nur eine kleine Hilfestellung sein.
Also: Attacke!

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